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Heinrich Hoffmann Der Struwwelpeter Rezensentin:
Petra Vogel "Herr Hoffmann ist zu gar nichts nütz, der macht zu allem schlechte Witz." (Hoffmann über Hoffmann) |
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Titel: Der Struwwelpeter - oder lustige Geschichten und drollige Bilder Autor: Dr. Heinrich Hoffmann (1809-1894), Doktor der Medizin, Psychologe, ab 1857 Leiter der Frankfurter Irrenanstalt' Erstausgabe: 1845 in Frankfurt am Main unter dem Titel: Lustige Geschichten und drollige Bilder mit fünfzehn schön colorierten Tafeln für Kinder von drei bis sechs Jahren" Quelle: 1992 Esslinger Verlag J.F. Schreiber, Frankfurter Originalausgabe, 8.te Auflage Vermuteter Persönlichkeitstyp des Autors: Handlungstyp In seinen Geschichten im Struwwelpeter' beschreibt Hoffmann relativ deutlich, was Kindern geschieht, die sich Regeln/Geboten oder Anordnungen ihrer Eltern wiedersetzen. Die Konsequenzen ihres Fehlverhaltens sind an Heftigkeit kaum zu übertreffen. Hoffmann sieht seine Geschichten jedoch nicht als Mittel brutaler Erziehung. Er setzt sie in seiner "Anstalt für Irre und Epileptische" ein, um junge Patienten von der Untersuchung abzulenken und ein persönliches Verhältnis zu ihnen aufzubauen. Gleichzeitig ermahnt' er allerdings Eltern, ihren Kindern nicht mit dem Schornsteinfeger oder dem bösen Pillendoktor zu drohen. Über sich selbst hat er gereimt: "Herr Hoffmann ist zu gar nichts nütz, der macht zu allem schlechte Witz." Es könnte auch sein, daß Heinrich Hoffmann, der auch als Romantiker und Poet galt, ein Beziehungstyp war, der seine Geschichten extrem dramatisierte. Er benutzte in seinen Beschreibungen öfter die Wörter hübsch, fein und schön. Auch, daß er seine Geschichten mit Bildern dekorierte', könnte auf einen Beziehungstyp hinweisen. Insbesondere hat sich Heinrich Hoffmann in seinem Leben sehr für humane Bedingungen in den Anstalten' eingesetzt. Die Botschaften in den Geschichten haben jedoch relativ deutlich handlungstypischen Charakter. Auffällig ist, daß er seinen Aussagen mit relativ vielen Ausrufezeichen! Nachdruck verleiht.
Der Struwwelpeter: Bei der Person des Struwwelpeters kann es sich eigentlich nur um einen Sachtyp handeln. Ihm ist Sauberkeit und körperliche Ordnung anscheinend völlig unwichtig. Zumal erregt jemand, der seine Haare, insbesondere als Mann/Junge, so zottelig trägt und mit ellenlangen Fingernägeln herumläuft, eine enormes Maß an Aufmerksamkeit. Dies würde zum rebellischen Sachtypen passen, der sich ganz gerne gesellschaftlichen Zwängen oder Diktaten widersetzt, da er die Notwendigkeit der Einhaltung derer womöglich als Zeitverschwendung oder fehlinvestierte Mühe empfindet. Sieh einmal, da
steht er, pfui! der Struwwelpeter!
Die Geschichte vom bösen Friederich: Beim bösen Friederich drängt sich einem der Gedanke auf, es könne eigentlich sehr drastisch ein Handlungstyp-Macher beschrieben sein: Der Friederich, der Friederich, das war ein arger Wüterich! Er fing die Fliegen in dem Haus und riß ihnen die Flügel aus. Er schlug die Stühl und Vögel tot, die Katzen litten große Not. Und höre nur, wie bös er war: Er peitschte ach, sein Gretchen gar!" Da mit der Peitsch herzu sich schlich, der bitterböse Friederich. Und schlug den Hund, der heulte sehr, und trat und schlug ihn immer mehr." Der bitterböse Friederich, der schrie und weinte bitterlich." Sehr handlungstypisch folgt
dann auch die Strafe:
Die gar traurige Geschichte mit dem Feuerzeug: Paulinchen, um die es in dieser Geschichte geht, scheint ein Beziehungstyp-Macher-Mädchen zu sein. Als sie nun durch das Zimmer sprang mit leichtem Mut und Sing und Sang." Ei," sprach sie," ei,wie schön und fein! Das muß ein trefflich Spielzeug sein." Paulinchen hört die Katzen nicht!" Paulinchen aber freut sich sehr und sprang im Zimmer hin und her." Handlungstypisch ersetzen' hier die Katzen die Eltern und drohen mit den Pfoten: Die Mutter hat`s verboten. Miau! Mio! Miau! Mio! Wirf`s weg, sonst brennst du lichterloh." Aber da Paulinchen NICHT hört, folgt auch hier die Strafe': Doch weh, die Flamme fasst das Kleid, die Schürze brennt; es leuchtet weit. Es brennt die Hand, es brennt das Haar, es brennt das ganze Kind sogar."
Die Geschichte von den schwarzen Buben: Zu welchen Persönlichkeitstypen die Buben Ludwig, Kaspar und Wilhelm gehören könnten, ist aus der Geschichte kaum ersichtlich. Deutlich jedoch die Moral, daß man nicht ungestraft über Menschen anderer Hautfarbe lachen darf. Da kam der große Nikolas mit seinem großen Tintenfaß. Der sprach: Ihr Kinder hört mir zu und lasst den Mohren hübsch in Ruh! Was kann denn dieser Mohr dafür, daß er so weiß nicht ist wie ihr.' Die Buben aber folgten nicht und lachten ihm ins Angesicht. Und lachten ärger als zuvor über den armen schwarzen Mohr. Der Niklas wurde bös und wild, du siehst es hier auf diesem Bild. Er packte gleich die Buben fest, bei Arm, beim Kopf, bei Rock und West. Den Wilhelm und den Ludewig, den Kaspar auch, der wehrte sich. Er tunkt sie in die Tinte tief... Und hätten sie nicht so gelacht, hätt` Niklas sie nicht schwarz gemacht."
Die Geschichte vom wilden Jäger: Der wilde Jäger' könnte ein Handlungstyp sein. Er wird zwar weniger wild' beschrieben, jedoch als geschwind und mit der Absicht: ...und wollte schießen tot den Has`." Auf einen Handlungstypen könnte auch folgender Satz hinweisen: Jetzt schien die Sonne gar zu sehr, da ward ihm sein Gewehr zu schwer. Er legte sich ins grüne Gras..." Könnte bedeuten, es ist um die Mittagszeit und der Handlungstyp macht ein kurzes Nickerchen zur Regeneration. Der Persönlichkeitstyp des Hasen ist relativ unklar. Man könnte vielleicht auf einen Sachtypen tippen, der ...ganz heimlich zu ihm (dem Jäger) lief und nahm die Flint` und auch die Brill` und schlich davon ganz leis und still." Als der Jäger erwacht möchte der Hase (vielleicht aus Selbstverteidigungswillen heraus) ihn erschießen. Da der Jäger sich aber vor der Gewehrkugel in den Brunnen rettet, trifft diese die Kaffeetasse der Frau des Jägers (die am Fenster saß), was zur Folge hat, daß der heiße Kaffee sich über den Kopf des Kindes des Häschens ergießt. Auch hier eindeutig der erhobene Zeigefinger' mit der Botschaft: Wer anderen eine Grube gräbt..."
Die Geschichte vom Daumenlutscher: Die Mutter von Konrad scheint ein Handlungstyp zu sein. Dies wird relativ deutlich bereits im ersten Vers, in dem sie Konrad erklärt, was er zu tun und zu lassen hat: Konrad!", sprach die Frau Mama, Ich geh` aus und du bleibst da. Sei hübsch ordentlich und fromm, bis nach Haus ich wieder komm` .Und vor allem, Konrad, hör! Lutsche nicht am Daumen mehr." Zur Unterstützung ihrer Aussage kündigt sie ihm auch gleich grausame Konsequenzen an: Denn der Schneider mit der Scher` kommt sonst ganz geschwind daher, und die Daumen schneidet er ab, als ob Papier es wär´." Und wer nun glaubt, dies sei nur so daher geredet, dem wird auch gleich klar gemacht, dass die angedrohten Konsequenzen gnadenlos ausgeführt werden. Als Konrad nämlich doch den Daumen in den Mund nimmt: Bauz! Da geht die Türe auf, und herein in schnellem lauf springt der Schneider in die Stub` zu dem Daumen-Lutscher-Bub. Weh! Jetzt geht es klipp und klapp mit der Scher´ die Daumen ab..."
Die Geschichte vom Suppenkasper: Die Figur des Kaspers könnte ein Sachtyp sein, der, nachdem er stets brav seine Suppe gelöffelt hatte, plötzlich zum NEIN" findet und dies mit aller Konsequenz durchsetzt. Offenbar fehlt ihm der Bezug zu seinem Körper, denn er ißt auch dann nicht mehr, als der Tod eigentlich unabwendbar wurde: Der Kaspar, der war
kerngesund, ein dicker Bub und kugelrund, Am nächsten Tag - ja
sieh nur her! Da war er schon viel magerer. Am dritten Tag, oh weh
und ach! Wie ist der Kaspar dünn und schwach! Am vierten Tage endlich
gar der Kaspar wie ein Fädchen war.
Die Geschichte vom Zappel-Philipp: Der Zappel-Philipp könnte ein Macher-Kind sein, dem es offensichtlich nur schwer gelingt, still zu sitzen und zuzuhören: Ob der Philipp heute still wohl bei Tische sitzen will?" Doch der Philipp hörte nicht, was zu ihm der Vater spricht." Er gaukelt und schaukelt, er trappelt und zappelt auf dem Stuhle hin und her." Er schaukelt gar zu wild..." Da ist nichts mehr, was ihn hält; nach dem Tischtuch greift er, schreit." Handlungstypisch wird der Vater beschrieben. Klar ist auch, dass er den Ton in der Familie angibt, denn die Mutter wird nur als stumm dasitzend geschildert: Also sprach in
ernstem Ton der Papa zu seinem Sohn." Dabei wird bebildert, wie der Vater vom Tisch aufspringt und die Hände parallel nach oben reißt. Handlungstypisch auch die ausführliche Beschreibung der Unordnung, die der Zappel-Philipp anrichtet, indem er das Tischtuch mitsamt dem Geschirr und dem Essen herunterreißt: Zu gleicher Zeit fallen Teller, Flasch` und Brot..." Nun ist Philipp
ganz versteckt und der Tisch ist abgedeckt.
Die Geschichte vom Hanns Guck-in-die-Luft: Der Persönlichkeitstyp des Hanns Guck-in-die-Luft ist fragwürdig. Er könnte vielleicht ein Beziehungstyp sein, der stets abgelenkt ist, da er: Nach den Dächern, Wolken, Schwalben schaut er aufwärts allenthalben." Wenn man die Bilder besieht, auf denen Hanns abgebildet ist, sieht man ihn marschierenden Schrittes umherstolzieren, was wiederum handlungstypisch sein könnte. Vielleicht sieht er auch stets in die Luft, um nicht in Kontakt mit seinen Mitmenschen treten zu müssen.
Die Geschichte vom fliegenden Robert: Auch die Figur des fliegenden Robert ist wenig deutlich zuzuordnen. Möglicherweise ist er Handlungstyp, denn als der Regen niederbraust... ...Robert aber dachte! Nein! Das muß draußen herrlich sein." Offensichtlich ist Robert sehr naturverbunden und ihn stört es wenig, daß ein Sturm tobt. Das könnten ebenfalls Hinweise auf einen Handlungstypen sein.
Buchdaten:
Der Struwwelpeter, verschiedene Ausgaben erhältlich bei
Amazon. |
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