Seneca

Von der Kürze des Lebens

Rezensent: Werner Winkler

 

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Copyright für alle Seiten: Werner Winkler, 2005-2009

Autor: Lucius Annaeus Seneca

Titel: De brevitate vitae - Von der Kürze des Lebens

Erscheinungsjahr: vermutlich 49 n.Chr.

Vermuteter Persönlichkeitstyp des Autors: Sachtyp

Rezensent: Werner Winkler

Inhalt-Kurzbeschreibung: In der an einen gewissen Paulinus gerichteten kurzen Schrift fasst der alternde Philosoph und ehemalige Berater des Kaisers seine Ansichten über die Zeit als Maßeinheit des Lebens zusammen: Wie wir Zeit vergeuden, wie wir sie sinnvoll nutzen, wie wir uns nicht unnötig von ihr hetzen lassen sollen. Für alles gibt er dem Leser reichlich Beispiele aus dem antiken Rom, so dass wir heutigen gleichzeitig mit seiner Philosophie etwas über die damaligen Lebensverhältnisse erfahren - und dabei erschrecken, falls wir erkennen sollten, wie ähnlich sie den unseren schon immer waren.

Leseprobe:
"Wir haben keine knappe Zeitspanne, wohl aber viel davon vergeudet. Unser Leben ist lang genug und zur Vollendung der größten Taten reichlich bemessen, wenn es im ganzen gut verwendet würde: aber sobald es in Genußsucht und Nachlässigkeit zerrinnt, sobald es für nichts Gutes aufgewendet wird, merken wir erst unter dem Druck der letzten Notwendigkeit, daß es vergangen ist, während wir gar nicht erkannten, daß es dahinging."

Psychographischer Kommentar: Aus der Feder eines Sachtyps verwundert kaum, dass es sich hier um eine Verteidigungsrede auf die Muße, das Philosophieren oder schlicht: Das Dasein handelt. So ist denn auch seine Lektüre eher den Beziehungstypen zu empfehlen, denn ihnen schenkt Seneca die Erlaubnis, eben jene Seite des Lebens ernster zu nehmen. Handlungstypen mögen sich eher geärgert sehen, wenn sie z.B. lesen, wie die Beschäftigungen das Leben verkürzen und abwerten, die Zeit zum Verrinnen bringen und den Menschen von der 'wahren' Bestimmung abhalten. Sachtypen schließlich werden es, so denke ich mir, eher langweilig finden - es sei denn, sie benötigen noch Argumente, um ihren typischen Lebensstil aus berufenem Munde zu unterfüttern: Seneca wird ihnen derer zahlreiche liefern ...

Dass sich Seneca bereits der psychographischen Zeitunterscheidungen bewusst war, zeigt folgende Äußerung von ihm: "Sehr kurz und voller Sorgen ist das Leben derer, die das Vergangene vergessen, das Gegenwärtige vernachlässigen, vor der Zukunft Angst haben; wenn sie ans Ende gekommen sind, erkennen die Unglücklichen zu spät, daß sie, ohne etwas zu tun, so lange beschäftigt gewesen sind."

Buchdaten: Seneca: Von der Kürze des Lebens, z.B. bei Reclam als Lateinisch-Deutsche Ausgabe, erhältlich bei Amazon.