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'Häuptling Seattle' Wir sind ein Teil der Erde Rezensent:
Werner Winkler
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Copyright für alle Seiten: Werner Winkler, 2005-2009 |
Autor: 'Häuptling Seattle' (Quelle unsicher) Titel: Wir sind ein Teil der Erde - die Rede des Häuptlings Seattle an den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika im Jahre 1855 Erscheinungsjahr: 1982 Vermuteter Persönlichkeitstyp des Autors: Beziehungstyp, Wir-bezogen, zukunftsorientiert, Fühler Rezensent: Werner Winkler Inhalt-Kurzbeschreibung: Mit nur 38 Seiten ist "Wir sind ein Teil der Erde" eines der schmälsten Bücher in meiner Bibliothek - und selbst dieser Umfang wird nur durch den Einschub von Fotos und einen Großdruck erreicht, der noch schwer Weitsichtigen das Ablegen der Brille ermöglichen würde. Dass es dieser Text trotzdem zur Buchform und zu recht ansehnlichen Auflagen geschafft hat, muss also wohl an seinem Gehalt liegen. Es ist keine einfache 'Rede', die uns der Autor hier vorlegt, eher ein Gesang, eine Prophezeihung, eine Anklage - verfasst zumindest aus der Sicht und Geisteswelt der indianischen Urbevölkerung Amerikas; ob der Autor tatsächlich jener Häuptling war, ist in Anbetracht der Sprachgewalt eher nebensächlich: "Ihr versteht uns nicht!" lautet der traurige Unterton zwischen allen Zeilen und endet doch in der Hoffnung: "Vielleicht sind wir doch - Brüder. Wir werden sehen."
Leseprobe: "Die Luft ist kostbar für den roten Mann - denn alle Dinge teilen denselben Atem - das Tier, der Baum, der Mensch - sie alle teilen denselben Atem. Der weiße Mann scheint die Luft, die er atmet, nicht zu bemerken; wie ein Mann, er seit vielen Tagen stirbt, ist er abgestumpft gegen den Gestank. Aber wenn wir Euch unser Land verkaufen, dürft Ihr nicht vergessen, daß die Luft uns kostbar ist - daß die Luft ihren Gesit teilt mit all dem Leben, das sie enthält. Der Wind gab unserern Vätern den ersten Atem und empfängt ihren letzten. Und der Wind muß auch unseren Kindern den Lebensgesit geben. Und wenn wir Euch unser Land verkaufen, so müßt Ihr es als ein besonderes und geweihtes schätzen, als einen Ort, wo auch der weiße Mann spürt, daß der Wind süß duftet von den Wiesenblumen. (...) Eines wissen wir, was der weiße Mann vielleicht eines Tages erst entdeckt - unser Gott ist derselbe Gott. Ihr denkt vielleicht, daß Ihr ihn besitzt - so wie Ihr unser Land zu besitzen trachtet - aber das könnt Ihr nicht. Er ist der Gott der Menschen - gleichermaßen der Roten und der Weißen. Dieses Land ist ihm wertvoll - und die Erde verletzen heißt ihren Schöpfer verachten. Auch die Weißen werden vergehen, eher vielleicht als alle anderen Stämme. Fahret fort, Euer Bett zu verseuchen, und eines Nachts werdet Ihr im eigenen Abfall ersticken. Aber in Eurem Untergang werdet ihr hell strahlen - angefeuert von der Stärke des Gottes, der Euch in dieses Land brachte - und Euch bestimmte, über dieses Land und den roten Mann zu herrschen. Diese Bestimmung ist uns ein Rätsel. Wenn die Büffel alle geschlachtet sind - die wilden Pferde gezähmt - die heimlichen Winkel des Waldes, schwer vom Geruch vieler Menschen - und der Anblick reifer Hügel geschändet von redenden Drähten - wo ist das Dickicht - fort, wo der Adler - fort, und was bedeuet es, Lebewohl zu sagen dem schnellen Pony und der Jagd: Das Ende des Lebens - und der Beginn des Überlebens." " Psychographischer Kommentar: Das Motto des "Alles ist mit allem verbunden" passt exakt zum Blickwinkel des Wir-Beziehungstyps - auch die Ausdehnung dieses Beziehungsgefühls auf die Tiere, das Land und die ganze Schöpfung. Die Tiere und selbst die Flüsse werden als "Brüder" bezeichnet und als solche geliebt - auch das typisch für den Beziehungstyp und seine 'geschwisterliche' Art der Liebe. Außerdem typisch für den Beziehungstyp ist das Unverständnis für den Wunsch der Siedler, Land zu kaufen, also mit Geld aufzurechnen. Ähnlich wie ein kleines Kind noch keine Vorstellung von Besitz und Geldwerten entwickelt hat, beharrt hier der Autor auf dem 'Nichtverstehen' dieses Kulturunterschieds. Und er klagt, dramatisch wie es wohl nur ein Beziehungstyp vermag, über die Sinnlosigkeit des Weiterlebens ohne die gewohnten Umstände: "Es ist unwichtig, wo wir den Rest unsereer Tage verbringen. Es sind nicht mehr viele. Noch wenige Stunden, ein paar Winter - und kein Kind der großen Stämme, die einst in diesem Land lebten (...) wird übrig sein." Heimweh und Sinnlosigkeit, zwei Leiden des Beziehungstyps, kommen hier zusammen. Selbst die Sehnsucht nach Wissen (typisch für den Beziehungstyp) enthüllt sich in einer Wiederholung "Denn das wissen wir, die Erde gehört nicht den Menschen, der Mensch gehört zur Erde - das wissen wir." genauso wie im Eingeständnis des Unwissens: "Ich bin ein Wilder und kann nicht verstehen, wie das qualmende Eisenpferd wichtiger sein soll als der Büffel". Zudem wird dem (vermutlich) Zukunftsorientierten eben diese Zukunft geraubt, weggenommen von den technisch überlegenen Weißen, die er wiederum (typisch Wir-Bezogener) nur als geschlossene Gruppe wahrnimmt - ebenso wie seine eigene Herkunftsstämme. Und trotzdem entwickelt er eine Fantasie über die Zukunft des Weißen und mischt darin noch einen verzweifelten Hoffnungsschimmer: Ihr werdet vielleicht vor uns untergehen! Zuletzt noch zum Verdacht, es hier mit einem "Fühler" zu tun zu haben: Einerseits lässt die extrem bildhafte Sprache an eine Kombination aus Fühler und Beziehungstyp denken, aber auch in Kleinigkeiten seiner Darstellung gibt er uns Einblicke in seine Psychognomie, z.B. wenn er den Geruch der Luft anspricht, den Duft der Blumen, das Summen der Insekten, das Dunkel der Wälder oder die Körperwärme des Ponys. Häuptling Seattle weiß auch, dass der Fühler seine Ressource im Nachdenken hat, denn er schreibt (mehrmals): "Das Ansinnen des weißen Mannes, unser Land zu kaufen, werden wir bedenken. Aber mein Volk fragt, was denn will der weiße Mann?" Buchdaten: Wir sind ein Teil der Erde, Walter Verlag (und andere), ISBN 3-530-81051-7 ; erhältlich bei Amazon (neu und gebraucht) oder bei www.zvab.de.
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