Gebrüder Grimm

Das tapfere Schneiderlein

Rezensentin: Petra Vogel

 

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Copyright für alle Seiten: Werner Winkler, 2005-2009

Titel: Das tapfere Schneiderlein

Autor: „Gebrüder Grimm".

Wobei die Brüder Wilhelm (1786-1863) und Jacob (1785-1859) Grimm Sprachwissenschaftler waren und Sammler von Kinder- und Hausmärchen. Diese entstanden also vermutlich nicht aus ihrer eigenen Fantasie, sondern wurden nach alten, vorwiegend mündlich überlieferten Geschichten zusammengetragen und mehr oder minder stark überarbeitet. Es ist also nicht sicher, wer wirklich der Verfasser dieses Märchens ist.

Quelle: www.1000-maerchen.de

Vermuteter psychographischer Typ des Autors: Sachtyp

Psychographischer Kommentar:

Im Märchen entdeckt man relativ häufig sehr sachtypische Formulierungen. Auch die Wortwahl entspringt wohl eher der ‚Sachtyp-Ecke'. Des weiteren werden Eigenschaften hervorgehoben, die eigentlich nur für einen Sachtyp von besonderer Bedeutung sein könnten:

»Nun, das Mus soll mir Gott gesegnen«, rief das Schneiderlein, »und soll mir Kraft und Stärke geben«

»Bist du so ein Kerl?« sprach er und musste selbst seine Tapferkeit bewundern.

Der Schneider band sich den Gürtel um den Leib und wollte in die Welt hinaus, weil er meinte, die Werkstätte sei zu klein für seine Tapferkeit.

...wäre das ein wichtiger und nützlicher Mann,

»Das hat gute Wege«, antwortete der Schneider

Siebene auf einen Streich, das ist meine Sache.«

»Sachte, sachte«, sprach er, »so geschwind geht das nicht«,

Nach einiger Zeit hörte...

Abends legte es sich zu gewöhnlicher Zeit...

...wo die zeitigsten Früchte hingen...

...und wollte in die Welt hinaus...

Also ward er ehrenvoll empfangen und ihm eine besondere Wohnung angewiesen.

 

Vermuteter psychographischer Typ des Schneiderleins: Beziehungstyp-Denker-Gegenwart

Wenn auch dem Schneiderlein einige sachtypisch anmutende Äußerungen ‚in den Mund gelegt' wurden, hat es doch eher den Anschein, daß es ein Beziehungstyp ist. Er hat Witz, Pfiffigkeit, Geistesgegenwart (Gegenwartsorientierung) und List (Denker), so ist er fast unbesiegbar. Oft tut er sehr großspurig, aber letztendlich steckt oft wenig dahinter. Ein weiteres Indiz für den Denker könnte sein, daß das Schneiderlein erlebte Dinge im Traum ‚verarbeitet'.

Bsp:
Die Frau stieg die drei Treppen mit ihrem schweren Korbe zu dem Schneider herauf und mußte die Töpfe sämtlich vor ihm auspacken. Er besah sie alle, hob sie in die Höhe, hielt die Nase dran und sagte endlich: »Das Mus scheint mir gut, wieg Sie mir doch vier Lot ab, liebe Frau, wenn's auch ein Viertelpfund ist, kommt es mir nicht darauf an.« Die Frau, welche gehofft hatte, einen guten Absatz zu finden, gab ihm, was er verlangte, ging aber ganz ärgerlich und brummig fort.

Nun nahm er den Weg tapfer zwischen die Beine, und weil er leicht und behend war, fühlte er keine Müdigkeit.

»Ist's weiter nichts?« sagte das Schneiderlein. »Das ist bei unsereinem Spielwerk«, griff in die Tasche, holte den weichen Käs und drückte ihn, daß der Saft herauslief. »Gelt«, sprach er, »das war ein wenig besser?«

Es war dahinten ganz lustig und guter Dinge, pfiff das Liedchen.

»Gerne«, sprach der Schneider, »das ist ein Kinderspiel«.

»Gut geworfen«, sagte der Schneider, »aber der Stein hat doch wieder zur Erde herabfallen müssen. Ich will dir einen werfen, der soll gar nicht wiederkommen«, griff in die Tasche, nahm den Vogel und warf ihn in die Luft. Der Vogel, froh über seine Freiheit, stieg auf, flog fort und kam nicht wieder. »Wie gefällt dir das Stückchen, Kamerad?« fragte der Schneider.

Als das Schwein den Schneider erblickte, lief es mit schäumendem Munde und wetzenden Zähnen auf ihn zu und wollte ihn zur Erde werfen. Der flüchtige Held aber sprang in eine Kapelle, die in der Nähe war, und gleich oben zum Fenster in einem Satze wieder hinaus.

Nach einiger Zeit hörte die junge Königin in der Nacht, wie ihr Gemahl im Traume sprach: »Junge, mach mir den Wams und flick mir die Hosen, oder ich will dir die Elle über die Ohren schlagen.«

 

Vermutete psychographische Typen der Riesen: Handlungstyp-Macher:

Die Riesen sind ein Bild der Naturkräfte, ungeschlacht und mächtig. Sie sind stark, skrupellos und gerissen, bedienen sich einer relativ rüden Ausdrucksweise. Sie reden nicht lange herum, sondern handeln, was in diesem Fall Prügel, Mord und Totschlag bedeutet. Ein Menschenleben scheint nicht wichtig zu sein, aber Macht und körperliche Überlegenheit. Zudem gehen sie keinem Streit aus dem Weg und man hat das Gefühl, daß dies die übliche Umgangsform zu sein scheint.

Bsp.:
Der Riese las »Siebene auf einen Streich«, meinte, das wären Menschen gewesen, die der Schneider erschlagen hätte, und kriegte ein wenig Respekt vor dem kleinen Kerl. Doch wollte er ihn erst prüfen, nahm einen Stein in die Hand und drückte ihn zusammen, daß das Wasser heraustropfte.

»Werfen kannst du wohl«, sagte der Riese, »aber nun wollen wir sehen, ob du imstande bist, etwas Ordentliches zu tragen.«

Als es Mitternacht war und der Riese meinte, das Schneiderlein läge in tiefem Schlafe, so stand er auf, nahm eine große Eisenstange, schlug das Bett mit einem Schlag durch und meinte, er hätte dem Grashüpfer den Garaus gemacht.

Der Riese spürte lange nichts, doch endlich wachte er auf, stieß seinen Gesellen an und sprach: »Was schlägst du mich?«

»Du träumst«, sagte der andere, »ich schlage dich nicht.«

Sie legten sich wieder zum Schlaf, da warf der Schneider auf den zweiten einen Stein herab.

»Was soll das?« rief der andere. »Warum wirfst du mich?«

»Ich werfe dich nicht«, antwortete der erste und brummte.

Sie zankten sich eine Weile herum,

Das ist zu arg!« schrie er, sprang wie ein Unsinniger auf und stieß seinen Gesellen wider den Baum, daß dieser zitterte. Der andere zahlte mit gleicher Münze, und sie gerieten in solche Wut, daß sie Bäume ausrissen, aufeinander losschlugen, so lange, bis sie endlich beide zugleich tot auf die Erde fielen.

Der Riese sah den Schneider verächtlich an und sprach: »Du Lump! Du miserabler Kerl!«

 

 

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