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Paul Maar Eine Woche voller Samstage Rezensentin:
Stefanie Neumüller Ich habe halt aus Versehen gesungen" (Sams) |
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Autor, Einband,
Illustrationen: Paul Maar Vermuteter
Persönlichkeitstyp des Autors: Psychographischer
Kommentar zum Autor: Obwohl Paul Maar von der Figur des Herrn Taschenbier (ein recht deutlicher Sachtyp) in seinen Sams-Büchern sagt, sie hätte Ähnlichkeit mit ihm selbst, halte ich ihn u.a. aufgrund seiner Vielfältigkeit, seiner Begeisterung für Neues, seiner Verbindung zu Kindern und seiner Arbeit nach dem Lustprinzip" doch eher für einen Beziehungstyp. In einem Interview sagt er über sich selbst und seine Arbeit: Als Kind konnte ich nie begreifen, wie die Erwachsenen es aushalten, ihr ganzes Leben lang ein und denselben Beruf auszuüben. Ich stellte es mir entsetzlich langweilig vor...". Ich kann es nicht erklären, wie es kommt, dass ich, wenn ich z.B. eine witzige Szene beschreibe - eine Szene die ich witzig oder spaßig finde - da wohl genau eine Ader treffe, einen Witz, den auch Kinder verstehen oder gut finden. Denn der Witz der Erwachsenen und der Witz der Kinder ist ganz unterschiedlich." Ich sage meinem Verleger oft, ach, ich habe gar keine Lust mein eigenes Buch zu illustrieren, ich schreibe lieber ein neues." Paul Maar hat bisher ca. 40 Bücher geschrieben, die teilweise in 20 Sprachen übersetzt wurden und wurde mit Preisen und Ehrungen überhäuft. Paul Maar: Mehr als alle Ehrungen freuen mich die vielen Kinderbriefe, die ich kriege - das sind manchmal fünf an einem Tag. Und wenn mir dann die Kinder schreiben, wie gut ihnen meine Bücher gefallen und was ich als nächstes schreiben soll (...) dann ist das eine ganz große Anerkennung für mich." Dass der Name Paul Maar meist sofort mit dem Sams in Verbindung gebracht wird, ist für den Autor etwas problematisch: Jemand, der viele Kinder hat und immer nur auf ein Kind angesprochen wird, ist ein bisschen gekränkt ob seiner anderen Kinder und sagt sich: Sind die nichts wert?"
Inhalt-Kurzbeschreibung:
Eines Tages tritt überraschend das Sams in Herrn Taschenbiers Leben: ein freches, vorlautes Wesen, das ständig Späße macht, neugierig ist und die Welt seines neuen Papas" kräftig durcheinander bringt. Zu dem auffallenden Äußeren des Sams gehören auch die blauen Wunschpunkte im Gesicht, mit deren Hilfe sich Herr Taschenbier Wünsche erfüllen kann - doch leider merkt er das nicht gleich...
Psychographischer Kommentar zu den Figuren: Herr Taschenbier (Sachtyp, evtl. Denker) Schon im ersten Satz des Buches, zeigt sich der Sachtyp: Es war Samstagmorgen und Herr Taschenbier saß im Zimmer und wartete. Worauf er wartete? Das wusste Herr Taschenbier selber nicht genau." (S. 9) Herr Taschenbier lebt in Untermiete in einem kleinen Zimmer und führt ein stilles, angepasstes Junggesellenleben. Freunde hat er keine, bis auf Herrn Mon. Sein Geld verdient er in einem Büro, in dem er zusammen mit seinem Chef sitzt und den ganzen Tag Zahlenreihen im Kopf zusammenrechnen muss. Er geht selten aus, ist sparsam und fürchtet sich vor seiner HT-Zimmerwirtin genau so, wie vor seinem Chef. Als das Sams eines Tages auf dem Marktplatz auftaucht, ist Herr Taschenbier der einzige der Umstehenden, der durch Kombinieren den Namen des seltsamen Wesens errät. Seine Begründung: Man muss nur logisch denken können - wie ein Privatdetektiv!" (S.20) Ein Wunsch von Herr Taschenbier hat zur Folge, dass die ewig schimpfende Frau Rotkohl nun immer das Gegenteil von dem sagen muss, was sie meint. Nachdem sie ihm nun (zwar schreiend) plötzlich Komplimente macht und nette Dinge sagt, meint Herr Taschenbier: Wie angenehm es doch ist, wenn man mit freundlichen Leuten zusammenwohnt. (...). Sie wird bald merken, dass es mehr anstrengt, wenn man den ganzen Tag schimpft." (S. 147) Erst spät merkt Herr Taschenbier, dass es sich bei den blauen Punkten im Gesicht des Sams um Wunschpunkte handelt - da muss das Sams aber auch bald schon wieder gehen und hat kaum mehr Punkte übrig. Herr Taschenbier will nun vorsichtig sein und seinen nächsten Wunsch gut planen. In einer Illustration sieht man ihn auf einem Blatt die möglichen Wünsche aufschreiben. Darauf stehen untereinander folgende Wünsche (die allerdings alle wieder durchgestrichen sind): Auto, viel Geld, sehr viel Geld, eine nette Frau, niemals Arbeiten, immer Geld. (S. 150)
Frau Rotkohl (Handlungstyp, evtl. Macher) Dass Frau Rotkohl wohl zu den Handlungstypen gehört, zeigt sich durch das Buch hindurch recht eindeutig. Sie ist meist mit Putzen und Schimpfen beschäftigt, ihre größte Angst gilt möglicherweise entstehender Unordnung und sie behandelt ihren Untermieter Herrn Taschenbier nicht nur sehr unfreundlich, sondern auch wie ein Kind. Sie kommuniziert fast ausschließlich im Kommando- und Befehlston.
Hier nur einige Beispiele von den zahlreich vorhandenen: Da ist ein Mensch für Sie, Herr Flaschenbier (sie vergisst häufig seinen richtigen Namen). Dass er mir ja nicht raucht im Zimmer; das schadet den Gardinen! Und dass er sich nicht aufs Bett setzt! Wozu haben Sie denn einen Stuhl!" (S. 10) Könnten Sie nicht, bitte, mein Zimmer etwas später sauber machen?" wagte Herr Taschenbier zaghaft zu fragen. Gehen Sie doch spazieren, wenn es Ihnen nicht passt!" sagt Frau Rotkohl grob. Gleich darauf kommandierte sie: Füße hoch!" und fuhr mit dem Besen auf Herrn Taschenbiers Beine los. Gehorsam zog er die Füße an und stellte sie auf den Stuhl, auf dem er saß. Sie Schmutzfink!" schrie Frau Rotkohl, als sie das sah. Meinen schönen Stuhl mit Schuhen treten! Sofort gehen Sie in die Küche und holen einen Lappen!" (S.12) Das erlaube ich nie und nimmer!" (S.72) Geh sofort ins Bad und wasch dir dein Gesicht! Aber wehe, du benutzt mein Handtuch! Du kannst dich ja an der Luft trocknen lassen. Pfui, wie du aussiehst, ganz gelb im Gesicht! (...) Und diese Nase, entsetzlich. Wie ein Schweinerüssel. Das kommt davon, weil du in der Nase gebohrt hast. Und dass du mir einen ordentlichen Scheitel hast, wenn du aus dem Bad kommst, verstanden? (...) Kannst Du nicht antworten, wenn ein Erwachsener dich was gefragt hat?" (S. 73) So eine schlimme Unordnung! Meine schöne Küche!" (S. 140)
Das Sams (Beziehungstyp, Macher): Das Sams wird aufgrund seiner Größe und seiner Streiche von allen für ein Kind gehalten, wogegen es sich vehement wehrt. Sehr beziehungstypisch, sind seine ständigen Späße, seine kreativen Ideen und seine wenig kritische Haltung. Es hat vor nichts Angst und geht neugierig auf alles fremde zu. Schon beim ersten Kontakt kuschelt sich das Sams in die Arme von Herrn Taschenbier und nennt ihn von dem Moment an Papa". Seine kreativen Ideen zeigen sich z.B. in der komplizierten Konstruktion einer KBA (Knackwurt-Bring-Anlage), die Herrn Taschenbier gewährleistet, dass er nicht aus dem Bett aufstehen muss, um an sein Essen zu kommen (S. 114) Hr. Taschenbier: Allerdings hätte es genügt, wenn du einfach das Körbchen an einer Schnur hinunter gelassen und später wieder heraufgezogen hättest." Sams: Das stimmt schon. (...) Aber es hätte nicht halb so viel Spaß gemacht!" (S. 117) Besonders auffällig - und immer wieder Anlass für spaßige Missverständnisse - ist, dass das Sams alles wörtlich nimmt. So sagt der Verkäufer im Kaufhaus Der Kunde ist König" und das Sams will von dem Moment an nur noch mit Majestät" angesprochen werden - findet allerdings überhaupt nichts dabei. (S. 57) Der Kleine glaubt eben alles, was man ihm erzählt." (S. 57) Für den BT-Macher spricht sein lautes, lebhaftes Wesen. Ständig singt, dichtet, hüpft oder erzählt er. Herr Taschenbier schmuggelt das Sams in sein Zimmer und möchte es vor Frau Rotkohl verstecken, da er Angst vor ihrem Wutausbruch hat. Allerdings ist das Sams so laut, dass dieser Versuch scheitert. Das ständige machen" fällt ihm gar nicht auf. Ich habe halt aus Versehen gesungen" entschuldigte sich das Sams. (S. 91) Am Mittwoch wurde Herr Taschenbier zur Abwechslung wieder einmal vom Singen des Sams geweckt." (S. 91) Er dachte daran, dass das Sams immer so laut war und nie den Mund halten konnte." (S. 43)
Empfehlung: Dieses Buch ist eine wunderbare Lektüre für Sachtyp-Kinder, die sehr gut die Nöte und Ängste von Herrn Taschenbier verstehen können und im Verlauf des Buches zusammen mit ihm und dem Sams immer mutiger werden. Die Altersempfehlung des Buches liegt bei ab 8 Jahren. Je nach Kind und Entwicklung halte ich das Buch bereits ab 5 oder 6 Jahren für geeignet.
Buchdaten:
Eine Woche voller Samstage (1. Band von 5), Verlag Friedrich
Oetinger, Hamburg, ISBN-Nr. 3-7891-1958-0, erhältlich
bei Amazon.
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