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Psychographium - Filme Harold and Maude Kulturarchiv der Psychographen
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Titel: Harold and Maude Erscheinungsjahr: 1971 Regie: Hal Ashby Buch: Colin Higgins, nach seinem gleichnamigen Roman Darsteller: Bud Cort, Vivien Pickles, Ruth Gordon Sonstiges: Musik von Cat Stevens If you want to sing out, sing out" www.golyr.de/Cat+Stevens/songtext/10494_If+you+want+to+be+free.htm Erschienen 1984 auf dem Album: Footsteps in the dark", ebenso der Titel: Don`t be shy".
Inhalt Kurzbeschreibung: Harold, ein junger, wohlstandsübersättigter Mann mit einer morbiden Faszination für den Tod, Sohn einer Schlossherrin, wehrt sich gegen die von ihm verlangte Anpassung. Maude, eine wundervolle, alte Exzentrikerin verbündet sich mit dem schwermütigen Harold. Sie zeigt ihm, dass man weder auf Freiheit noch auf Individualität verzichten muss, dass man allem im Leben etwas Positives abgewinnen und es geniessen kann.
Psychographischer Kommentar: Hier zeigen sich relativ deutlich alle drei psychographischen Grundtypen. Harold Chasen, Sachtyp (ST) - Denker: Harold ist fasziniert vom Tod und der Vergänglichkeit der Dinge. Sein langweiliges Leben, indem er keinen einzigen Freund hat, bereichert er dadurch, die Aufmerksamkeit seiner Handlungstyp (HT)-Mutter zu erlangen (was sehr sachtypisch ist), indem er seinem makabren Hobbie nachgeht. Er inszeniert Selbstmorde. Ansonsten besucht er Beerdigungen in seinem ersten eigenen Auto, einem Leichenwagen, und seinen Psychoanalytiker. Die beiden geben ein absolut symmetrisches Bild ab. Nichts lässt darauf schliessen, dass Harold erst 18 Jahre ist und nicht bereits pensioniert. Selbst ST- Kinder wirken, trotz des braven und kindlichen Äußeren" schon sehr erwachsen und ernst. Vermutlich ist Harold ein Denker. In manchen Szenen zeigt er sich sehr unsicher, wenn es darum geht, Dinge zu machen". Beispiel: Als Maude ihn auffordert, mit ihm ein Lied zu singen (DVD 4205 - 4400), antwortet er: "Aber ich kann nicht singen." Als sie ihn auffordert, etwas mit ihr zu spielen, erwidert er: "Aber ich kann nicht spielen." Seine gesamte Lebenseinstellung ist eigentlich eher sachtypisch. Sich seinem Schicksal hingeben, sich als Opfer der Umstände, des Lebens zu sehen. Dies hört man heraus, als er beginnt, Maude ein wenig aus seinem Leben" zu erzählen (DVD 5209 - 5540): Ich habe noch nicht gelebt. Ich bin nur ein paar Mal gestorben." Dann erzählt er von seinem ersten Selbstmord" ... Schliesslich fordert Maude Harold auf, zu leben. Er taut auf und beginnt, seine verlorene Kindheit nachzuholen (DVD 10510 - 10738). Unterstützt wird diese Szene mit einem Song von Cat Stevens (heute Yusuf Islam), der extra für diesen Film komponiert wurde (s. Sonstiges) Der Text passt exzellent zu der Lebensphilosophie von Maude, die sie versucht, Harold nahe zu bringen.
Vermuteter psychographischer Persönlichkeitstyp von Harolds Mutter: Handlungstyp (HT)- Macher - Ich - Zukunft Zeigt sich völlig unbeeindruckt und genervt von Harolds Selbstmordaufführungen, ignoriert sie einfach. Sie spricht extrem deutlich, ist ausgesprochen dominant, achtet darauf, dass die Regeln eingehalten werden und beschäftigt sich ausschliesslich mit der Planung seines Lebens (zukunftsorientiert?). Sie versucht, ihn über ein Heiratsinstitut zu verkuppeln, da man mit 18 Jahren gefälligst zu heiraten hat. Dies macht sie Harold deutlich klar (DVD1352 - 1419): Du hast bis jetzt ein völlig unbeschwertes, glückliches Leben geführt, das Leben eines Kindes. Aber nun ist es allmählich Zeit, mit den Kindereien aufzuhören und die Verantwortung eines Erwachsenen auf sich zu nehmen. Oh, wir würden alle gerne durch das Leben gleiten, ohne an das Morgen zu denken, aber leider kann man das nicht (vielleicht ein weiterer Hinweis auf eine Zukunftsorientierung). Wir haben unsere Pflichten, unsere Aufgaben und Prinzipien. Kurzum Harold, ich denke, es ist an der Zeit für Dich, zu heiraten, mein Sohn." Sehr prägnant zeigt sie sich auch in der Szene, als sie das Antragsformular für das Heiratsinstitut für Harold ausfüllt. Also, SIE füllt es für ihn aus und beantwortet die Fragen ebenso in ihrem Sinne. Sie stellt Harold die Fragen zwar, wartet aber keine Antwort ab (DVD 1743 - 2010). Amüsant zu beobachten, dass sie viele Fragen mit einem entschiedenen Nein beantwortet. Wenn es aber darum geht, ob der Kandidat der Meinung wäre, dass dies oder jenes gegen Moral, Sitte und der allgemein, gesellschaftlich anerkannten Norm sind, werden mit:" oh ja, ja, ja, absolut", beantwortet. Erfolglos in ihren Bemühungen, Harold an die Frau zu bringen, sieht sie als einzige Alternative eine Karriere beim Militär. Harolds Onkel ist General und wieder mal zeigt sie sich sehr handlungstypisch: Infolgedessen habe ich ihn (den Onkel) beauftragt, dich so bald als möglich in den Militärdienst einzuführen, damit du so schnell wie möglich, zu deinem eigenen Besten, den aktiven Dienst der Armee der Vereinigten Staaten aufnimmst." Vielleicht ist sie eine Ich- bezogene, denn sie zeigt sich eigentlich völlig desinteressiert an Harold. Alles, was sie für ihn tut (möglicherweise auch eine Macherin, denn sie redet eigentlich auch ununterbrochen, ohne dem anderen zuzuhören)), tut sie aus Prestige, übergeht Harold aber total dabei. SIE findet seinen Leichenwagen nicht angemessen, also schenkt sie ihm einen Sportwagen. Sie sucht eine Frau für Harold, ohne ihn zu fragen, ob er es überhaupt möchte. Insgesamt bemüht sie sich aber schon, beziehungstypisch zu wirken: Ich versuche, etwas unterhaltsam zu sein."
Vermuteter psychographischer Persönlichkeitstyp von Maude: Beziehungstyp (BT) - Macher - Du - Vergangenheit Eine geistig jung gebliebene, völlig unkonventionelle alte Dame mit ungebremster Lebenslust: Ich liebe die Anwechslung. Ich suche immer neue Erfahrungen." und (DVD 3340 - 3428): Ich probiere jeden Tag etwas Neues aus. Schliesslich wurde uns das Leben gegeben, um es zu entdecken. Und es dauert nun mal nicht ewig." Sie sieht im Leben einen Kreislauf, nicht nur dessen Ende, wie Harold. Sie benutzt eine Metapher, um es Harold zu erklären (DVD 3509 - 3625): Ich sehe gerne, wie die Dinge wachsen, wie die Blumen. Sie wachsen und blühen und welken und sterben und verwandeln sich in etwas anderes. Ich würde gerne eine Sonnenblume werden, ach, das Leben,..." Sie appelliert an seine Sinne, veranstaltet eine Duftorgie" um ihm zu zeigen, was wichtig ist: Riechen, spüren, anfassen, streicheln, dabei entdecken". Alles, was einem Macher gut tut. Zudem redet sie pausenlos auf Harold ein, was die These des Machern unterstützen würde. Aus dem, was sie aus ihrem Leben erzählt und wie sie lebt, könnte man vermuten, dass sie vergangenheitsorientiert ist. Sie sammelt alles mögliche, ohne jeglichen Zusammenhang und erklärt Harold, dass dies alles Erinnerungsstücke sind. Wenn sie Geschichten von früher erzählt, gerät sie geradezu ins Schwärmen (DVD 4033 - 4050): Ich erinnere mich, als ich noch ein kleines Mädchen war. Da wurde ich in Wien zum Schloss mitgenommen zu einem Gartenfest. Ich sehe es noch vor mir,..." Alles in allem eine Frau in allem das Positive sieht, sogar im Tod.
Vermuteter psychographischer Persönlichkeitstyp vom General, Harolds Onkel: HT - Macher Der General ist natürlich das Paradebeispiel eines Handlungstyps. Streng nach Gesetz und Recht und Ordnung. Ein Mann hat ein Mann zu sein und furchtlos zu kämpfen. Und dies mit Freude und mit der Überzeugung, dass es wohl keine ehrenwertere Aufgabe im Leben gibt. Das wird sofort klar, als er Harold erklärt, was er mit ihm vorhat DVD 1100 - 1155): Das wird einen Mann aus Dir machen. Du reist um die Welt, wirst eine Uniform anziehen und ein männliches Handwerk lernen. Du schreitest aufrecht, mit funkelndem Blick, mit federndem Schritt und der Gewissheit im Herzen, dass du für den Frieden arbeitest, und deinem Vaterland dienst."
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