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Good Will Hunting

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Rezensentin: Petra Vogel 

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Copyright für alle Seiten: Werner Winkler, 2005-2009

Titel: Good Will Hunting

Erscheinungsjahr: 1997

Regie: Gus van Sant

Buch: Matt Damon und Ben Affleck

Darsteller: Matt Damon, Robin Williams, Ben Affleck, Minnie Driver

Sonstiges: Matt Damon und Ben Affleck bekamen einen Oscar für das „beste Originaldrehbuch". Auch Robin Williams erhielt die begehrte Trophäe.

 

Inhalt Kurzbeschreibung:

Will Hunting verbringt sein Leben mit seinem Kumpel Chuckie in den miesen Vierteln Bostons zwischen Bars, Bier und Baseball. Er erledigt miese Jobs und prügelt sich auch mal ganz gerne. Eine Universität sieht Will nur dann von innen, wenn er für den Hausmeister die Flure wischt-eine Perspektive, aus diesem Alltag herauszukommen, hat er eigentlich nicht. Bis zu dem Tag, an dem er Skylar kennenlernt. Will kann es kaum glauben, dass sie ihm so den Kopf verdreht und ihn völlig aus dem Gleichgewicht bringt. Doch anstatt sich dieser Liebe hinzugeben, wird sie für Will ein weiteres großes, scheinbar unlösbares Problem in seiner Sammlung. Mit Hilfe des Psychologen Sean sucht und findet er seinen Platz im Leben.

 

Psychographischer Kommentar:

Matt Damon und Ben Affleck, offensichtlich zwei Handlungstypen (HT), haben das Drehbuch zum Film selbst geschrieben. Dementsprechend authentisch wirken die Szenen, in denen beide ihren Typ „spielen"

 

 

Vermuteter psychographischer Persönlichkeitstyp von Will Hunting: HT-Du-Macher-Vergangenheit

Dass Will Hunting, gespielt von Matt Damon, ein Handlungstyp ist, ist eigentlich unverkennbar. Er äußert ausgesprochen direkt, was er denkt und ist hochgradig provokativ. Er scheut sich bei Auseinandersetzungen nicht, die Fäuste zu benutzen oder sich verbal sehr rüde auszudrücken.

„Affenarsch, blöde Sau..." gehört zum üblichen Vokabular zwischen ihm und seinen Freunden. Wobei er ein hochintelligenter Mensch ist. Neben seinem fotographischen Gedächtnis (was ein Hinweis auf eine Vergangenheitsorientierung sein könnte), besitzt er eine ausgesprochen hohe, mathematische Begabung. Der Umgang mit Zahlen ist für ihn ein Leichtes. Er löst höchstkomplizierte Aufgaben im Handumdrehen, wo sich selbst Professoren die Zähne dran ausbeißen. Zudem hat es den Anschein, als ob er sich seiner Kompetenzen nicht wirklich bewusst ist, was bei HTs oft zu beobachten ist.

Außer seinen Freunden lässt er niemanden näher an sich herankommen. Er fasst schwer Vertrauen zu anderen Menschen, weicht in Gesprächen persönlichen Fragen aus, indem er das Thema wechselt.

Die Tatsache, dass er an der MIT Universität putzt, findet er völlig normal. Das ist kein Job für ihn, für den man sich schämen müsste. Solch einen Satz spricht ein HT, der sehr auf Sauberkeit und Ordnung achtet, wohl am gelassensten aus.

Ein erneuter Hinweis auf eine Vergangenheitsorientierung und den Macher liefert eine Szene, in der er sich an einen früheren „Freund" erinnert, der ihm einst seine Freundin ausgespannt hat (DVD 900-1200):

Er erkennt den jungen Mann auf der Straße wieder, geht auf ihn zu, begrüßt ihn kurz:

„Hey, ich bin`s, Will. Wir haben als Kinder zusammen gespielt."

Ohne eine Reaktion abzuwarten, prügelt er wie von Sinnen auf ihn ein. In dem Moment scheint ihn das damals erlebte Ereignis so gefangen zu nehmen, dass er selbst nicht inne hält, als bereits die Polizei erscheint und ihn festnimmt.

Sein gutes Gedächtnis (Vergangenheitsorientierung) für einmal Erlerntes oder Gelesenes, der Macher, der andere in Grund und Boden reden kann und der Du-bezogene HT, der für den anderen eintritt und ihn verteidigt, wird in einer anderen Szene perfekt dargestellt (DVD 1740-1920):

Ein „Strebertyp" von der Uni stellt in einer Kneipe seinen besten Freund Chuckie bloss, der sich vor einigen Frauen wichtig machen möchte, indem er mit seinen „Weisheiten" auftrumpft. Will greift ein, schlägt den Angeber mit seinen eigenen Waffen:

„Die Ansicht hat man nun mal im ersten Semester. Da liest man zuerst irgendeinen marxistischen Historiker wie Barrison wahrscheinlich. Daran wirst du (Du-Bezug) noch bis Ende des Monats glauben, bis du (!) James Lemmon kennenlernst. Dann wirst du (!) der Meinung sein, dass die Wirtschaft in Virginia und Pennsylvania bereits 1740 unternehmerisch und kapitalistisch war..."

So geht es eine Zeit lang, bis der schlaue Streber völlig verwirrt ist und zum Schluss bietet Will ihm aber fairerweise an:

„Aber wenn du (!) damit ein Problem hast, können wir beide ja mal kurz vor die Tür gehen und das klären."

Sein Psychologe fragt ihn in einer ihrer Sitzungen (DVD 13100-13144), ob er einen Freund hat, der ihn in Frage stellt, jemanden, der ihm neue Sichtweisen eröffnet und fordert Will auf, sie ihm zu nennen. Will zählt auf (handlungstypisch):

„Jede Menge. Shakespeare, Nietzsche, Frost, O´Connor, Kant, Pope, Block."

Der Psychologe:

„Schön, aber die sind alle tot."

„Für mich nicht." (Vergangenheitsorientierung)

Typisch für den HT-Du-Vergangenheit ist auch, dass er extrem distanziert ist und sich brutal zurückzieht, sobald ihm jemand auf der Beziehungsebene nah kommt. Aus dem Umstand heraus, dass Menschen, die Will naturgemäß hätten lieben müssen (Eltern/Pflegeeltern) abgelehnt und misshandelt haben, tut er lieber anderen weh, als noch mal diesen Schmerz erleiden zu müssen. Lieber verlässt er andere, als dass er noch mal verlassen wird (DVD 12150-12325).

 

Vermuteter psychographischer Persönlichkeitstyp von Sean, seinem Psychologen: Beziehungstyp (BT)-Macher-Du-Vergangenheit:

Der Psychologe, gespielt von Robin Williams, höchstwahrscheinlich ein BT, mit denselben Unterbereichen wie Will. Ihm gelingt es durch exzellentes Pacing und Verständnis, das Vertrauen seines schwierigen Klienten zu gewinnen.

Er lässt sich zunächst verbal auf dessen Niveau ein. Während seiner ersten Sitzung mit ihm, interessiert sich Will für Seans Bücher und meint schließlich (DVD 3734-3753):

„Wenn Sie mal ein richtiges Geschichtsbuch lesen wollen, lesen Sie...das haut Ihnen den Arsch weg."

„Ist das besser als... Ist das ein gutes Buch?"

„Bei Euch Vögeln fällt mir nichts mehr ein. Ihr schmeißt `ne Menge Geld für irgendwelche Schinken aus dem Fenster und dann sind`s auch noch die falschen Scheißbücher."

„Was wären denn die richtigen Scheißbücher?"

Seans Frau war vor zwei Jahren gestorben, doch erzählt er Will, dass sie für ihn immer noch lebt und er immer noch denselben Schmerz verspürt wie damals. Auch erinnere sich genau an den Zeitpunkt, an dem er wusste, dass sie die richtige Frau für ihn wäre. Er erzählt ebenso sehr detailgenau Geschichten, die er damals mit ihr erlebt hat (Du-Vergangenheit). Vor allem spielt er sie nach. Was eben ein Hinweis dafür sein könnte, dass er ein Macher ist. Bei einer weiteren Sitzung schweigen sich beide eine Stunde lang an, da keiner den ersten Schritt aufeinander zu gehen möchte. Beiden fällt dies offensichtlich schwer. Sie spielen mit ihren Fingern, der eine schaut nervös ständig zur Uhr, der andere pfeift,... bis der HT schliesslich das Schweigen bricht.

Auch bekommt Sean von Will das „Kompliment" gemacht:

„Sie labern noch mehr, als die Psychologen, die ich sonst so kenne."

Und was er dann redet, zeigt eigentlich deutlich, dass er nur ein Beziehungstyp sein kann. So durchschaut er Will nach kurzer Zeit und hält ihm einen „Vortrag" (DVD 4555-4750):

„Bei Fragen über Frauen hältst du bestimmt einen Vortrag darüber, wie sie sein müssen. Vielleicht hast du auch schon ein oder zwei im Bett gehabt. Aber du kannst mir nicht sagen, wie es ist, neben einer Frau aufzuwachen und sich glücklich zu fühlen... Wenn`s um die Liebe geht zitierst du wahrscheinlich ein Sonett, hast dich beim Anblick einer Frau aber noch nie wehrlos gefühlt, weil sie dich mit den Augen in ihren Bann gezogen hat. Wo du dann das Gefühl hast, Gott hat dir einen Engel geschickt, der dich aus den Tiefe der Hölle rettet. Für den auch du mal der Engel sein wirst. Du kennst einfach nicht das Gefühl, für jemanden da zu sein, komme was wolle...du weißt nicht, was ein wirklicher Verlust ist. Denn das lernst du nur, wenn du jemanden mehr liebst als dich selbst."

Und noch mal (DVD 4815-4900):

„Meinst du, ich weiß auch nur irgendwas darüber wie du lebst, wie du bist, nur weil ich Oliver Twist gelesen habe? Bist du darin beschrieben worden? Mir persönlich ist das scheißegal, denn weißt du was? Ich kann von dir nichts erfahren, was ich nicht auch aus irgendeinem Scheißbuch nachlesen könnte. Es sei denn, du erzählst über dich selbst, wer du bist- das würde mich faszinieren, da bin ich dabei (BT-Du) Aber dazu hast du keine Lust, stimmt`s ? Du hast Angst vor dem Ergebnis."

 

Vermuteter psychographischer Persönlichkeitstyp von Chuckie, seinem Freund: HT-Macher-Du

Chuckie, gespielt von Ben Affleck, ist Wills bester Freund. Dass er ebenso HT ist, ist kaum anzuzweifeln. Die beiden spiegeln sich absolut. Sie sind offen und ehrlich miteinander, sprechen dieselbe Sprache. Chuckie würde, genau wie Will, alles für seinen Freund tun, ist immer zur Stelle, wenn er ihn braucht. Er lebt nach dem Motto: „Einer für alle, alle für einen".

Nett, und handlungstypisch, ist auch der Spruch, den Chuckie in einer Kneipe „ablässt":

„Ich geh` mal kurz ans andere Ende der Bar-meinen Körper vorführen."

 

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