Antoine de St.-Exupéry

Der kleine Prinz

Rezensent: Werner Winkler

 

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Copyright für alle Seiten: Werner Winkler, 2005-2009

Autor: Antoine de St.-Exupéry

Titel: Der kleine Prinz

Erscheinungsjahr: 1946

Vermuteter Persönlichkeitstyp des Autors: Handlungstyp, Macher, ich-bezogen, vergangenheitsorientiert

Rezensent: Werner Winkler

Inhalt-Kurzbeschreibung: Ein modernes Märchen voller Parabeln und Metapher, witziger und doch philosophischer Dialoge, aber auch trauriger, sehnsüchtiger Momente. Der kleine Prinz verlässt seinen Planeten mit seiner geliebten Rose und besucht die Erde. Dort trifft er jedoch keine Menschen, sondern nur den Fuchs und in ihm einen wachen Fragesteller und Lehrer. Dieser überrascht ihn umsomehr, als er auch seinen Zwischenstationen verschiedene kleine Planeten besucht und dort eher enttäuschende Gestalten kennengelernt hat. Der kleine Prinz lernt in seiner Begegnung nicht nur den Fuchs, sondern auch sich selbst, seine Beziehung zur fernen Rose und zur Liebe neu definieren. Dass das Ende kein reines Happy-End sein kann, ahnt der Leser jedoch bereits vorher, wenn er sich der stillen Melancholie Saint-Exupérys nicht entzieht.

Leseprobe:
"In diesem Augenblick erschien der Fuchs.
"Guten Tag", sagte der Fuchs.
"Guten Tag", antwortete höflich der kleine Prinz, der sich umdrehte, aber nichts sah.
"Ich bin da", sagte die Stimme, "unter dem Apfelbaum ..."
"Wer bist du?" sagte der kleine Prinz. "Du bist sehr hübsch ..."
"Ich bin ein Fuchs", sagte der Fuchs.
"Komm und spiel mit mir", schlug ihm der kleine Prinz vor. "Ich bin so traurig ..."
"Ich kann noch nicht mit dir spielen", sagte der Fuchs.
"Ich bin noch nicht gezähmt!"

Psychographischer Kommentar:

Zeitform:
Das ganze Buch ist in der Vergangenheitsform geschrieben. Nur im letzten Abschnitt wechselt der Autor in die Gegenwartsform ("...jetzt sind es gewiß schon wieder sechs Jahre her..."), wechselt aber bald wieder in die Vergangenheitsform. Anschließend wagt er noch einen kurzen Blick in die Zukunft, doch auch diese ist in die Vergangenheitsform gekleidet ("So frage ich mich: Was hat sich aufdem Planeten wohl ereignet?").

Beziehungsebene:
Der Autor bevorzugt eindeutig die "Ich-Form", z.B. S.9: "ich blieb also allein ...". Das ganze Werk über bleibt die Trennung zwischen "Ich" und "Du", dem Autor und dem kleinen Prinzen erhalten. Die "Wir-Form" taucht so gut wie nie auf. In der Frage "Wo sind die Menschen?" und der Antwort "Die Menschen? Es gibt, glaube ich, sechs oder sieben. Ich habe sie vor Jahren gesehen." wird dieses Phänomen auf den Punkt gebracht.

Tätigkeit:
Die Frage nach der bevorzugten Tätigkeitsform ist nicht einfach zu beantworten. Die Leichtigkeit, mit der der Autor die Geschichte erzählt und die Betonung der aktiven Elemente lassen aber auf einen "Macher" schließen. "Das macht nichts. Zeichne mir ein Schaf. Da ich nie ein Schaf gezeichnet hatte, machte ich ihm eine von den einzigen zwei Zeichnungen, die ich zuwege brachte ... Mach ein anderes. Ich zeichnete... ich machte also meine Zeichnung noch einmal."

Grundtyp:
Am Leichtesten ist die Frage nach dem Grundtyp zu klären, denn das handlungstypische springt den Leser bereits auf den ersten Seiten überdeutlich an. Die handlungstypische Erlebensweisen prägen das gesamte Buch und finden sich in zahlreichen Details, von denen hier nur Ausschnitte wiedergegeben werden können: "ich war also gezwungen, einen anderen Beruf zu wählen..." (S.8) (rechtfertigt sich für eine mangelhafte Zeichnung) "ich kann nichts dafür" (S.10); "als ich das Männchen sagen hörte: 'Nein! Nein!'" (S.11); "Die großen Leute haben ein Vorliebe für Zahlen." (S.15); der Autor arbeitet weiter trotz tiefgehender Gespräche (S.22-23); "Aber nein! Aber nein! Ich glaube nichts!" (S.23); "ich war noch zu jung, um lieben zu können" (S.28); er brachte vor der Abreise den Planeten in Ordnung (S.28); "was ich im Leben liebe, ist der Schlaf" (S.43); "den Menschen fehlt es an Phantasie" (S.52); Beziehungsaufnahme auf 'handlungstypisch' (S.53ff); die Rosen und die fehlende Beziehung zu ihnen (S. 57); Wiederkehr zur selben Stunden - Gewohnheiten (S.56); Besonders auffällig ist die (handlungstypische) Gewohnheit, alles mögliche zu zählen:

- 43 Sonnenuntergänge (S.22)
- 43, 72, 100 oder 200 Sonnenuntergänge (S.23)
- ein Geschäftsmann, der zählt (S.36)
- Zählungen über die Erde (S. 47)
- fünftausend Rosen (S. 52)
- hundertausend Füchse (S.54) etc.

Zusammenfassend kann das Büchlein also besonders für Handlungstyp-Kinder empfohlen werden, wobei das Alter nicht unter zehn sein sollte wegen der z.T. recht deutlichen Darstellung, z.B. des Todes. Für Beziehungstypen dürfte es zu weich sein und ihre unsachliche Seite unnötig verstärken.

Die Seitenangaben beziehen sich auf die Ausgabe des Karl Rauch Verlages von 1956.

Buchdaten: Antoine de St.-Exupéry: Der kleine Prinz, erhältlich in verschiedenen Ausgaben, z.B. als kleines Taschenbuch aus dem Karl Rauch Verlag oder im französichen Original bei Amazon oder im örtlichen Buchhandel.