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"Was könnte aus diesem Kind, wenn es behütet, umhegt, gefördert würde, alles werden!" (Antoine de Saint-Exupéry) |
Eugen Drewermann Das Eigentliche ist unsichtbar Der Kleine Prinz tiefenpsychologisch gedeutet
Rezensent:
Werner Winkler
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Autor: Eugen Drewermann Titel: Das Eigentliche ist unsichtbar - Der Kleine Prinz tiefenpsychologisch gedeutet Erscheinungsjahr: 1984 Vermuteter Persönlichkeitstyp des Autors: Sachtyp-Wir (evtl. Fühler) Rezensent: Werner Winkler Inhalt-Kurzbeschreibung: Weder über den "Kleinen Prinzen" noch über Eugen Drewermann muss Erklärendes gesagt werden; weltweiter Bestseller der eine, Bestsellerautor und begnadeter Redner der andere. Genauer gesagt: Saint-Exupéry, der Flieger gegen den Theologen und Psychologen - oder umgekehrt. Drewermann ringt mit dem Wesen des Kleinen Prinzen wie mit seinem Autor und nutzt dazu alles, was Theologie und Psychologie hergeben - und doch kommt er ihm - so die Schlussfolgerung des Psychographen - nicht wirklich nahe; zu sehr missversteht er aus seiner sachtypischen Perspektive Natur und Prozessrichtung des Handlungstyps. Trotz diesen "kreativen Missverstehens" jedoch handelt es sich hier um ein Buch, das in keiner Bibliothek fehlen darf, in der auch der "Kleine Prinz" sein Zuhause hat. Alle drei Thesen, nämlich die, der Autor sei ein Sachtyp, ein Wir-Bezogener und dass er den Handlungstyp Saint-Exupéry gründlich missversteht, sollen an einigen prägnanten Beispielen belegt werden (Kommentare jeweils in kursiver Schrift): Wer anders als ein Sachtyp kann so mitleidvoll schreiben und vor allem: Einen so langen Satz entwerfen, der auch wirklich noch das letzte verwendbare Detail des Themas anspricht? (S.47) Wenn etwas einstürzt, an das man bisher absolut geglaubt hat, wenn etwas, das bisher als einmalig verehrt und geliebt wurde, sich mit einem Mal als bloßes Exemplar einer Gattung von beliebig oft zu vervielfältigenden anderen Individuen herausstellt, wenn das, woran man sein Herz gehängt hat, einem plötzlich wie entwertet und ausgehöhlt erscheinen muß, indem es bereits durch die pure Menge seines Vorkommens inflationiert wird, dann muß man sich nicht nur enttäuscht, sonder wie ganz und gar verwaist und heimatlos vorkommen - man weiß nicht mehr, woran man sein Herz festmachen soll, und gerade dieses Entsetzliche ist es, was der "Kleine Prinz" empfindet, als er die 5000 Rosen vor sich sieht. Wer selbst kein Sachtyp ist und verstehen möchte, was Nähe und Begegnung für einen solchen bedeutet, findet es hier poetisch und genau zugleich in Worte gefasst. (S. 48) Jede Hast, jedes Drängen, jede Voreiligkeit kann der Liebe nur schaden, denn gerade die scheuesten und sensibelsten unter den Liebenden, die am meisten Sehnsüchtigsten, die am meisten Schamhaftigen, die Leidenschaftlichsten unter ihnen bedürfen der langsamen Bewegungen der Nähe, die ihnen die Angst (...) nimmt und sie allmählich an die Gegenwart des anderen, des täglich vertrauter werdenden, gewöhnt. Nur wenige Beispiele von vielen anderen, in denen sich der Autor als Sachtyp mittels seiner Sprache und Wortwahl verrät ... (S. 50) Doch nicht nur die Dinge im Raum, vor allem das Erleben der Zeit verwandelt die Liebe in einen magischen Ring ... (S. 52) ... dass die Dinge und Menschen wertvoll werden durch die Zeit, die man auf sie verwendet hat. (S. 72) ... was kann ein Kind tun, das leidet, aber nicht zeigen darf, daß es leidet, das sich mittteilen möchte, aber im Namen höherer Vernunft beharrlich missverstanden wird ... (S. 75) ... das Verhalten der Mutter ist offenbar so widersprüchlich, verwirrend und zweideutig, daß daraus nicht ohne weiteres klug zu werden ist. (S. 86) Aber, wird man eventuell immer noch einwenden, vielleicht basierend auf ... Dieses Kriterium der inneren Geschlossenheit und Übereinstimmung ist ein recht starkes Argument. Nun zum Missverstehen des Handlungstyps, das zeitweise fast den Charakter der Abwertung annimmt: (S. 99) ... indem hier (...) die Tat an die Stelle des Glücks, der Weg an die Stelle des Ziels, die Aktion an die Stelle des Seins, der Wille an die Stelle der Vernunft gesetzt wird. (S. 118) Nicht die "Aktion", die "Strenge", die "Gewalt", der "Wille" - nicht MICHELANGELO am Marmorblock -, eher die Kunst des geduldigen Schauens, des verstehenden Hörens, des zärtlichen Einsseins und des unwillkürlichen Einklangs der Herzen erwecken den "Garten" des Menschlichen zu seiner schönsten Blüte. Zur Wir-Bezogenheit des Autors lassen sich ebenfalls zahlreiche Stellen finden, hier eine kleine Auswahl: (S. 12) Wir werden also ... wir müsen versuchen ... (S. 121) vielleicht wird man bald schon, gegen Ende des Lebens, uns fragen, was wir getan haben gegen die Not unserer Zeit, und es wird nicht viel sein, was wir zu tun vermochten (...) so werden wir, hoffentlich, antworten können: Wir haben uns bemüht, die Welt mit den Augen der Liebe zu sehen. Und als letzten "Beweis" für den Persönlichkeitstyp des Autors noch einen Satz, in dem er aus seinem häufig sehr lyrischen, fast schon musischen Stil herausrutscht und sich in philosophischer Fachsprache verheddert: (S. 92-93) In der Psychoanalyse (ebenso wie in der Gesellschaftskritik des Marxismus) herrscht immer noch die Neigung vor, geistige Einstellungen als Epiphänomene oder Reflexe bestimmter seelischer Komplexe (bzw. gewisser sozialer und ökonomischer Konflikte) zu deuten; unterstellt wird dabei eine strenge Determiniertheit zwischen "Basis" und "Überbau", so als seien die geistigen Inhalte selbst ein "Produkt" zugrundeliegender unbewußter Vorgänge.
Buchdaten:
Drewermann: Das Eigentliche, Herder, ISBN 3-451-04068-9,
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