Dalai Lama

Das Buch der Freiheit (Autobiographie)

 

Rezensent: Werner Winkler

 

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Copyright für alle Seiten: Werner Winkler, Januar 2005-2009

Autor: Tenzin Gyatso, 14. Dalai Lama von Tibet

Titel: Das Buch der Freiheit (original: Freedom in Exile)

Erscheinungsjahr: 1990

Vermuteter Persönlichkeitstyp des Autors: Handlungstyp, Fühler, Du, Vergangenheit

Rezensent: Werner Winkler

Inhalt-Kurzbeschreibung:

Viele Leser werden den 14. Dalai Lama und Friedensnobelpreisträger vor allem als Handlungsreisenden in Sachen Tibet, Weltfrieden oder tibetischen Buddhismus kennen. Mit seiner (zum größten Teil) von ihm selbst verfassten Autobiografie lässt er uns einen Einblick in seine Person gewinnen, der von seiner "Entdeckung" als Wiedergeburt des 13. Dalai Lama bis zur Zeit nach der Verleihung des Friedensnobelpreises reicht. Dazwischen liegen viele Jahrzehnte voller z.T. dramatischer Ereignisse inklusive des Einmarsches der chinesischen Volksarmee in Tibet und seiner abenteuerlichen Flucht nach Nordindien, wo er noch heute wohnt (wenn er denn zuhause ist).

Und parallel erfährt der sicher bald gefangene Leser ausführlich die geschichtlichen, religiösen und kulturellen Hintergründe dieser Ereignisse, ohne jedoch mit Langeweile kämpfen zu müssen.

Leseprobe:

"Insgesamt verbrachte ich nach unserer Ankunft ungefähr zehn Wochen in Beijing. Den Großteil der Zeit wurde ich von politischen Begegnungen und Konferenzen in Anspruch genommen, ganz zu schweigen von den zahllosen Banketten. Das Essen bei diesen gewaltigen Anlässen war im allgemeinen recht gut, auch wenn mich bei dem Gedanken an die hundert Jahre alten Eier, die angeblich eine Delikatesse sein sollten, noch immer schaudert. Ihr Geruch war überwältigend. Er hing noch lange Zeit in der Luft, so daß man nicht wußte, ob es der Geschmack war, den man noch spürte, oder einfach der Geruch. Die Sinne waren schlicht überfordert. Einige europäische Käsesorten haben, wie ich feststellen konnte, dieselbe Wirkung."

Psychographischer Kommentar:

Dass es sich beim 14. Dalai Lama um keinen gewöhnlichen Menschen handeln kann, dürfte auch ohne Einblick in die psychographischen Typunterschiede anhand seines Lebens und seiner Haltung gegenüber dem ihm Widerfahrenen offensichtlich sein. Dass er aber auch eine Ausnahmeerscheinung unter den Handlungstypen darstellt, wird der psychographisch bewanderte Leser an vielen Stellen leicht erkennen können.

Sein Leben lang - so der Autor - habe er sich um die Entwicklung einer mitfühlenden Haltung gegenüber allen Lebewesen bemüht und wie mir scheint, hat er damit durchaus Erfolg gehabt. Wo er als Kind noch leicht in handgreifliche Streitigkeiten geriet und nur ein mäßiger Schüler war, wächst seine beziehungstypische, neugierige und offene Haltung von Kapitel zu Kapitel. Immer wieder versucht er sich im Optimismus, auch wenn er in einigen Punkten damit scheitert und anerkennen muss, dass auch "Böses" im Menschen wohnt und er nicht mit allen seinen Gesprächspartnern eine aus dem Gefühl der Brüderlichkeit kommende Beziehung aufbauen kann. "Es ist nicht richtig, daß ich von den Tibetern, die Tag für Tag in einem solchen Elend leben, verlange, die Chinesen auch noch zu lieben. Während ich die Anwendung von Gewalt also nie guheißen werde, akzeptiere ich, daß Gewalt zuweilen nicht verhindert werden kann."

Mir persönlich gefiel wohl am Besten seine Ehrlichkeit, z.B. wenn er von seinem Entschluss schreibt, Vegetarier zu werden, nachdem er von seinem Hotelfenster aus zusah, wie der Hahn geschlachtet wurde, den er dann zum Festessen serviert bekam - und wie er nach der Häufung von Beschwerden durch diesen Verzicht zur Einsicht kommt, dass er doch Fleisch essen muss, um gesund zu bleiben.

Seine Berichte über seine Kindheitserinnerungen werden jeden psychographisch interessierten Leser rasch vom Handlungstyp überzeugen, die vielen eindrucksstarken Schilderungen von Landschaften und Menschen sowie deren kleinsten Regungen sprechen für den Fühler. Dass er vergangenheitsorientiert sein muss, lassen die unendlichen Details und wörtlichen Gesprächszitate erahnen und für die Du-Bezogenheit spricht, dass er ziemlich wenig von sich selbst und umso mehr von allen den Menschen spricht, mit denen er zu tun hatte oder die ihm wichtig wurden.

 

Buchdaten: Dalai Lama: Das Buch der Freiheit, Lübbe, ISBN 3-7857-0557-3; erhältlich im Buchhandel